Besuch in der sagenumwobenen Stadt Dohna

 

Die alte Burggrafschaft Dohna

Die Kleinstadt Dohna liegt am Eingang zum Müglitztal und bildet das Tor zum Osterzgebirge.
Dohna ist eine der ältesten Orte in Sachsen. Die Ursprünge gehen zurück bis in die Bronzezeit. Die Höhensiedlungen auf dem Robisch und dem Burgberg wurden zum Schutz des vorgeschichtlichen Fernverkehrsweges "Kulmer Steig" errichtet, später überbaut von slawischen Burgwall-anlagen und schließlich der Burg Dohna, die vermutlich im 10. Jahrhundert angelegt und erstmals 1040 erwähnt wurde.
Die Burg Dohna bildete den Mittelpunkt einer reichsunmittelbaren Burggrafschaft. 1076 gelangte sie mit dem Gau Nisan als Reichslehn an Böhmen, erst 1142 gehörte es wieder zur Mark Meißen. Heinrich von Rot(h)owa (1144 in einer Urkunde als Zeuge genannt) begründete das Geschlecht der "Donins", der Burggrafen zu Dohna. Die Geschichte der Burggrafschaft ist geprägt von den Territorialkämpfen zwischen dem Königreich Böhmen, der Mark und des Bistums Meißen und den Dohnaer Burggrafen.

Die Dohnasche Fehde

1385 fand auf dem Rathaus zu Dresden ein Tanzball statt; zu dem Wilhelm der Einäugige, Markgraf zu Meißen den Landadel eingeladen hatte. Unter den Gästen befand sich auch der mächtige Graf von Dohna. Der griff sich die schönste Frau im Saal – die Gemahlin des Ritters von Körbitz aus Meusegast ,- prüfte eigenhändig, ob an ihrer Figur auch alles echt sei und küsste sie. Der eifersüchtige Ehemann war auch nicht faul und stellte dem schon seit langer Zeit unbeliebten Grafen ein Bein. Es hagelte Ohrfeigen und Fußtritte, doch Markgraf Wilhelm sorgte für Ruhe im Saal. Kurze Zeit später kam es dann doch zum offenen Ausbruch dieser Fehde.

ADELSTANZ ZU DRESDEN ANNO 1385

Wie strömt es von Dresden von nah und von fern!
Was fahren die Frauen? Was reiten die Herrn`?
Vom Golde umblitzt, von Rubinen umflammt,
mit Spangen und Bändern, in Seide und Samt!

Zum Adelstanz, kommen von nah und von fern,
aufs Dresdner Rathaus die Frauen und Herrn;
dort führen sie lustig nach fürstlichem Mahl den
Reigen im festlich erleuchtenden Saal.

Wie glühen die Augen vom Feuer der Lust
wie funkeln die Augen, wie woget die Brust!

Wie reizend die Frauen, wie artig die Herren, so einig
in Ehren, vom Argen so fern!
Wer ist dort die schönste der Schönen im Saal?
Die blonde Mathilde, des Rützschels Gemahl, so
üppig vom Scheitel bis zur Zeh,
die Wangen wie Rosen, die Stirn wie Schnee.

Doch ziert auch Mathilden der reizendste Leib,
sie ist doch im Herzen kein biederes Weib,
Und ist auch Graf Jeschke der reizendste Mann,
so sieht dochkein ehrbares Mädchen ihn an.

Mathilden ja fehlet die weibliche Scheu,
und achtet gar wenig die eh`liche Treu.
Graf Jeschke auch huschet im fremden Geheg
manch Täubchen zur Frohne der Lüste sich weg.

Der Herr passt zum Weibchen, das Weibchen
zum Herrn, u. Gleiches zu Gleichem gesellet sich gern.
Wie kost` mit Mathilden der Graf so vertraut
als hätt`er sie eben zur Braut.

Wie schmiegen sie sich aneinander so eng,
Wie küsst er sie heiß in der Tänzer Gedräng`!
Komm armer betrogener Gatte, treib den
Lüstling zu Schranken, und strafe dein treuloses Weib!

Wohl sieht es Herr Rützschel von Körbitz, wohl fast ihn
die Wut- und plötzlich stellt er dem Grafen ein Bein.
Vom Falle rafft Jeschke sich eilends empor,
er fasset Herrn Rützschel grimmig am Ohr,
und schlägt ihm die Faust ins bleiche Gesicht.

Zuspringen die Ritter, es flüchten die Frau`n,
Mathilde entweichet voll Zittern und Grau`n.
Ihr folget Graf Jeschke, und führt sie zu Roß
bei Nacht und Nebel auf das Dohnische Schloß.

„Was Priester, was Ehre? Ich liebe dich ja!
Was willst du noch weiter verlangen?
Ist dir denn süß`Liebchen, seitdem ich dich sah,
ein einzig Vergnügen entgangen?

Was geht es uns an, dein armseliger Mann,
der Bube, sag an doch, was geht es uns an?“
Horch, wie sie sich zanken im Garten;
gewiß sind die Vettern schon wieder beim Spiel-
mit dem Bruder in Hader geraten.“

„Komm Liebchen! Dir wird es hier draußen zu kühl!“
Drauf führte Graf Jeschke mit lüsternem Blick,
Mathilden vom Garten zum Schlosse zurück.

Jeschkens Brüder und Vettern, Maul Heide und John, drei wilde
und unbändige Gesell`n, erwarten seit
langem die Buhlerin schon das sie möchte ein Urteil fällen.
Sie sollte nur sagen ein Ja oder Nein, so würde der Zweifel
beschwichtigt sein!

Mathilde nicht wissend, was wie und wozu,
entscheidet mit raschem Bejahen.
„Nun gut denn!-ruft Heide-so soll er im Nu
das Fehdechreiben entsenden.“ Früh, als es im Morgen
ein wenig tagt, der Bote damit zum Markgraf jagt.

Der Markgraf hat Graf Jeschke gedroht, er wolle es fürchterlich
rächen, wenn solcher sich nicht nach seinem Gebote führt
und der Fehden die er seit Monaten schon, mit den
Rittern von Körbitz geführt, auf immer entsagen.

Das verdroß die von Dohna und trieb sie dazu,
mit dem Markgraf die Fehde zu wagen.
Sie harrten im Schlosse in vermeintlich sicherer Ruh`,
dass er käme sich mit ihnen zu messen
und harrten auch gar nicht lang;

in der siebenten Nacht kommt der Markgraf zu Roß
vor Schloß Dohna mit gewaltiger Macht.
Wie blitzen, wie funkeln im Morgenrot,
wie rasseln die Schwerter und Speere!
Wie wogt es im feindlichen Heere!

Wie stehn`die markgräflichen Ritter so dicht.
Doch die Grafen von Dohna schreckt das nicht.
Schon rasselt die Brück` an den Ketten herab,
sie donnert vom Hufschlag der Rosse, und halten
nicht fern vom Schlosse.
Der Feind rückt heran, es erhebt sich die Schlacht;
der Markgraf gewinnet die Übermacht.

Die Mitternacht deckte den blutigen Plan,
und es wichen die Dohnischen Streiter.
Graf Jeschke konnt` grad noch entkommen
und fühlte entsetzliche Wut:

Die Schlacht verloren!- Das fordert ihr Blut!“
Und als er die Übriggebliebenen zählt,
und findet so viele nicht wieder, da stürzte
vor Jammer er nieder.

Da rafft er sich auf in tobendem Hass und
rennt zu Mathilden: „Du scheußliches Weib,
gib den Bruder den Vetter mir wieder!
Du riethest zur Fehde, unsinniges Weib!“
und stößt mit dem Schwerte sie nieder.

Da schmettern Trompeten und Hörner vor`m Schlosse
es rückte an der feindliche Troß.
Sie stürmen gewaltig, sie brechen herein,
drängen in Säle und Zimmer herein,
die Grafen lebendig zu finden.

Doch Jeschke war längst entfloh`n,
nach Ofen weit fort nach dem Ungarland,
Da lauern drei schwarze Gestalten,
hoch zu Roß am Wegesrand. Aufeinmal
ritt Jeschle an ihnen vorüber,

Nun sprangen die Ritter wie Luchse empor,
den Grafen zu dolchen. Sie schleppen ihn
dann ins dichte Gestrüpp und nahmen ganz
stille und in sich gekehrt den Weg im
schwärzesten Wald und kehren danach in die
Heimat zurück.

 

Die alten Herren von Dohna mögen ja sehr vornehme Grafen und Ritter gewesen sein. Aber in der letzten Zeit, ehe ihre Burg zerstört wurde und sie von hier vertrieben wurden (1402), da haben auch die Dohnaischen Burggrafen oft auf der Landstraße gelegen und genommen, was ihnen in die Hände kam. Eine gute Stelle, wo sie zugleich auf die Gespanne der Fuhrleute und auf die Kähne der Elbschiffer passen konnten, war bei Großsedlitz und zwar bei dem sogenannten Niederdorf, etwa dort, wo heute die Pechhütte steht. Damit aber niemand wissen sollte, dass die vornehmen Burggrafen solche Raubritter geworden seien, hatten sie von der befestigten Stadt Dohna bis zur Pechhütte einen unterirdischen Gang graben lassen, in dem sie mit ihrer Beute verschwanden.

 

 

Quelle: Historisch- Genealogische Beschreibung der Uradeligen Familie v. Körbitz/Kürwitz 1736.
Literatur: (Sagenhaftes Müglitztal Verlag Niggeman u. Simon 2003 1. Aufl.)
Die Inspektionen Pirna, Altenberg u. Dippoldiswalde als fünfte Abteilung von Sachsens Kirchen - Galerie, 4. Bd. Dresden
Pirna u. seine Umgebung, Berlin 1965 Akademie Verlag
Die Dohnasche Fehde von Hubert Ermisch, Dresden 1901 u. Familienarchiv
Dohna Stadt und Burg von seinem Ursprung bis auf die neueste Zeit, herausg. v. Georg Friedrich Möhring, Dohna 1843
Historisch-Topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna v. Alfred Meiche, Dresden 1927
Mormonen Ahnenstammkartei.
Adelstan zu Dresden" aus der Broschüre von Christine Klecker.
"Wie Dohna verlorenging" Dresden 1991
Bildbearbeitung Judith Kürwitz, (Adelstanz zu Dresden)
Bild: Die Burggrafschaft Dohna u. Der Adelstanz zu Dresden aus dem Stadtmuseum Dohna, m. freundlicher Genehmigung. Bildbearb. Adelstanz, Judith Kürwitz

Ballade, Familienarchiv Judith Kürwitz

 

 

 

 

 

 

© Judith Kürwitz